Über Vibratoren, Vorurteile und die Frage, warum Vergnügen auch einfach Spaß machen darf.
Niemand sagt: „Wer Kaffeemaschine benutzt, kann wohl keinen Kaffee kochen.“ Und niemand sagt: „Wer ein Fahrrad hat, hat wohl keine Beine.“ Bei Sextoys hingegen hält sich der Verdacht hartnäckig, dass dahinter irgendein Mangel stecken muss.
Dabei gibt es ziemlich viele Gründe, warum Menschen Toys benutzen. Aus Neugier, aus Lust am Ausprobieren, weil es sich gut anfühlt, zum Entspannen, zu zweit, allein, regelmäßig, ab und zu oder auch nie. Alles davon ist in Ordnung. Das Einzige, was nicht nötig ist, ist ein Rechtfertigungsgrund.
Die Klassiker unter den Toy-Glaubenssätzen
„Toys sind etwas für Singles.“
Manche Menschen nutzen Toys allein, manche mit Partner:in, manche beides. Ob mit oder ohne Beziehung: Es gibt keine Regel, wer das darf.
„Wenn ich ein Toy benutze, kann mich danach niemand mehr befriedigen.“
Diese Sorge ist verbreitet, aber ein Toy ist kein Konkurrent, sondern ein Werkzeug. Manche Menschen erleben es als Ergänzung, manche als Inspiration, manche gar nicht als große Sache. Wenn du das Gefühl hast, dass es dich unter Druck setzt oder etwas verändert, das du nicht möchtest, darfst du es einfach anders nutzen oder lassen.
„Selbstbefriedigung ist peinlich.“
Sie ist für viele Menschen etwas ganz Alltägliches: zum Entspannen, zum Kennenlernen des eigenen Körpers, aus Lust oder einfach, weil sie Spaß macht. Peinlich ist sie nur, wenn wir sie dazu erklären.
„Wenn ich mich selbst befriedige, stimmt etwas mit meiner Beziehung nicht.“
Eigene Lust und Lust mit anderen können nebeneinander existieren. Sie müssen sich nicht ersetzen. Für manche ergänzen sie sich, für andere sind es einfach zwei unterschiedliche Dinge.
„Ich weiß nicht, was ich mag, also lasse ich es.“
Nicht zu wissen, was du magst, ist ein völlig normaler Ausgangspunkt. Manche finden es durch Ausprobieren heraus, andere durch Lesen, Reden oder einfach durch Zeit mit sich selbst. Du musst nichts davon, aber du darfst alles.
„Das ist doch unnatürlich.“
Was als „natürlich“ gilt, ist oft eine Frage der Gewohnheit. Entscheidend ist, dass alle Beteiligten einverstanden sind und es sich für dich stimmig anfühlt.
Wenn du neugierig bist
Es gibt keinen Pflichtweg. Ein paar Anregungen, die für manche hilfreich sind:
Mit Zeit starten. Ohne Ziel, ohne Erwartung. Manche brauchen ein paar Minuten, manche länger, und es muss auch nicht jedes Mal „klappen“.
Gleitgel kann nützlich sein. Es kann Reibung verringern und vieles angenehmer machen. Das heißt nicht, dass bei dir „etwas fehlt“, sondern einfach, dass es sich so besser anfühlen kann.
Das Toy zu dir passen lassen. Es gibt Modelle, die Druckwellen erzeugen, welche, die vibrieren, größere, kleinere, kraftvolle und sanfte. Welches zu dir passt, hängt von deinem Geschmack ab. Ein Blick in die Produktbeschreibung oder eine Beratung kann bei der Orientierung helfen.
Auf Material und Pflege achten. Toys sollten nach jeder Nutzung gereinigt und trocken gelagert werden. Passende Reiniger gibt es extra dafür. Wenn du empfindliche Haut hast oder dir unsicher bist, achte auf die Materialangaben.
Humor behalten. Manches ist beim ersten Mal ungewohnt oder auch einfach komisch. Auch das gehört dazu.
Bei Schmerzen oder Beschwerden Rat holen. Wenn dir beim Sex oder bei der Selbstbefriedigung etwas wehtut oder dich dauerhaft belastet, ist die Gynäkologie eine gute Anlaufstelle.
Das Fazit
Du musst niemandem erklären, warum du Toys benutzt, und auch nicht, warum du es nicht tust. Beides darf sein. Wenn du neugierig bist, gibt es viel zu entdecken. Und wenn nicht, ist das auch eine vollkommen gültige Antwort.