Warum es keinen Standard-Körper gibt, und warum du dich trotzdem jahrelang mit ihm verglichen hast.
Stell dir vor, jemand würde dir erzählen, es gäbe genau eine richtige Nasenform. Du würdest lachen. Bei Vulven glauben das erstaunlich viele, auch Frauen, die sonst ziemlich entspannt durchs Leben gehen.
Der Grund: Die meisten von uns haben nie viele Vulven gesehen. Außer der eigenen (aus schwierigem Winkel), ein paar Pornobildern (mit, sagen wir, kuratierter Auswahl) und Biologiebüchern (mit einer Zeichnung, die aussieht wie ein Bauplan für Möbel). Kein Wunder, dass das Bild im Kopf schief ist.
Die Klassiker unter den Körper-Glaubenssätzen
„Meine inneren Schamlippen sind zu lang.“
Sind sie nicht. Innere Schamlippen, die über die äußeren hinausragen, sind völlig normal und kommen bei sehr vielen Frauen vor. Vulven unterscheiden sich in Form, Farbe, Größe und Symmetrie, wie Gesichter eben.
„Ich muss rasiert sein, sonst ist es unhygienisch.“
Haare sind keine Hygienefrage. Ob du rasierst, trimmst oder wachsen lässt, ist Geschmack. Und zwar deiner. Nebenbei: Die Vagina reinigt sich selbst. Für den Rest reicht klares Wasser. Intimsprays und Spülungen brauchst du nicht, sie bringen oft sogar mehr durcheinander, als sie helfen.
„Mein Bauch, mein Po, meine Oberschenkel stören.“
Beim Sex fühlst du, du schaust nicht Fernsehen. Dein Körper ist kein Schaufenster, sondern dein Lustorgan.
„Nach der Schwangerschaft ist mein Körper nicht mehr sexy.“
Dein Körper hat einen Menschen hervorgebracht. Das ist bemerkenswert, und Sexyness ist eine Frage von Selbstbewusstsein, nicht von Dehnungsstreifen. Gib dir Zeit, und hol dir bei Beschwerden Unterstützung, etwa bei Beckenbodenthemen. Dafür gibt es Fachleute.
„Ich bin zu alt, um mich nackt zu zeigen.“
Der Körper verändert sich, die Lust bleibt. Wer Vertrauen und Zeit hat, hat oft den besseren Sex als mit zwanzig.
Woher das Ganze kommt
Aus Bildern, die uns seit Jahrzehnten zeigen, wie ein „perfekter“ Körper auszusehen hat: retuschiert, gebügelt, symmetrisch. Wer sich ständig mit etwas vergleicht, das gar nicht existiert, kann nur verlieren.
Was hilft
Hinschauen. Ein Handspiegel ist kein Tabu. Wer den eigenen Körper kennt, geht entspannter mit ihm um.
Vielfalt konsumieren. Folge Accounts, Büchern und Menschen, die echte Körper zeigen. Das verschiebt das innere Maß.
Gut zu dir sein. Ein Pflegeöl nach der Dusche, ein sanfter Body Powder, ein Massageabend nur für dich. Kein Programm, kein Ziel. Berührung darf einfach Wohlgefühl sein.
Weniger Licht-aus-Reflex. Wenn du dich beim Sex versteckst, sprich es an. Dein Gegenüber sieht meist ganz andere Dinge als du.
Dein Körper muss nicht bewertet werden. Er darf erlebt werden.